EUDR ab 30. Dezember 2026: warum Karton dein neuer Papierkram-Kopfschmerz wird
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Es gibt eine EU-Verordnung, die du wahrscheinlich nicht auf dem Radar hast, die aber ab dem 30. Dezember 2026 deinen Einkauf tangieren wird. Die EU Deforestation Regulation, kurz EUDR. Wo PPWR sich um zirkuläre Verpackung dreht, geht EUDR um eine Sache: sicherstellen, dass kein Produkt auf dem europäischen Markt zur Entwaldung oder Waldschädigung nach dem 31. Dezember 2020 beigetragen hat.
Klingt logisch. Klingt weit weg von deinem Webshop. Bis du liest, dass Karton, Papier, Holzpaletten und sogar das Etikettenpapier darunter fallen.
Was fällt unter EUDR
EUDR deckt sieben Rohstoffe ab, die historisch große Treiber der Entwaldung waren: Holz, Soja, Palmöl, Kaffee, Kakao, Kautschuk und Rindfleisch. Plus die meisten Produkte, die daraus gemacht sind. Für Verpackung bedeutet das, dass alles mit Holzfaser, also Karton, Papierklebeband, Papier-Füllmaterial und Holzpaletten, unter die Verordnung fällt. (Druckerzeugnisse wie Bücher und Zeitungen wurden bei der letzten Änderung aus dem Anwendungsbereich genommen.)
Die Regel sollte ursprünglich Ende 2024 greifen und wurde zweimal verschoben. Ende 2025 wurde der Zeitplan endgültig festgelegt: 30. Dezember 2026 für mittlere und große Unternehmen, 30. Juni 2027 für Kleinst- und Kleinunternehmen. Dieselbe Änderung brachte eine Vereinfachung, die für Webshops wichtig ist: Wer Produkte einkauft, die bereits konform auf den Markt gebracht wurden (“downstream”), muss keine eigene vollständige Due Diligence machen, sondern vor allem Lieferanteninformationen sammeln und fünf Jahre aufbewahren.
Was musst du dann tun
Die Hauptlast liegt bei der Partei, die das Holzprodukt als erste auf den EU-Markt bringt — in der Praxis dein Verpackungslieferant oder dessen Papierfabrik. Diese muss ein Due Diligence Statement mit Parzellen-Geo-Koordinaten, Kettentransparenz, Entwaldungsfreiheit-Nachweis nach dem 31. Dezember 2020 und einer Risikobewertung erstellen, hochgeladen im EU TRACES-System.
Für dich als Webshop-Einkäufer heißt das vor allem: die DDS-Referenzen und Lieferanteninformationen deines Verpackungslieferanten anfordern, festhalten und aufbewahren. Machbar — sofern dein Lieferant seine Kette im Griff hat. Wer mehrere Lieferanten hat oder Vermittler in der Kette, verwaltet trotzdem einen administrativen Strom. Und die Strafen für Nichteinhaltung in der Kette sind saftig: bis zu 4 Prozent des Jahresumsatzes in der EU.
Was passiert, wenn du einfach bei Karton bleibst
Drei Dinge, in dieser Reihenfolge.
Eins, höherer Einkaufspreis. Dein Verpackungslieferant muss die gesamte Lieferkette abbilden. Das kostet Geld und diese Kosten werden weitergegeben. Rechne mit Preisdruck in den ersten Jahren nach dem Startdatum.
Zwei, komplexerer Einkauf. Bei jedem neuen Lieferanten willst du jetzt eine EUDR-Historie sehen, bevor du unterschreibst. Das verlängert deine Einkaufszeit und schließt kleine Lieferanten mit unzureichender Compliance-Kapazität aus.
Drei, Kettenrisiko. Stimmt die Dokumentation deines Lieferanten nicht, kann dessen Zufuhr stocken — und damit dein Kartonbestand. Compliance-Probleme stromaufwärts werden Lieferprobleme stromabwärts.
Wie Steinpapier außerhalb davon liegt
Steinpapier ist aus Calciumcarbonat gemacht, das ist gemahlener Reststein aus Steinbrüchen, plus etwas recyceltes HDPE-Plastik als Bindemittel. Kein Holz, keine Faser, kein Baum. Damit fällt Steinpapier außerhalb des Anwendungsbereichs der EUDR. Keine DDS in der Kette, kein TRACES, keine Ketten-Analyse auf Parzellen-Ebene.
Praktisch bedeutet das:
Keine EUDR-Administration rund um deine Primär-Versandverpackung. Du kaufst deine Stonepacker und das war's. Keine jährliche Nachprüfung der Parzellen-Koordinaten in der Kette. Dein Compliance-Dossier bleibt eine Zeile kürzer.
Keine Preiserhöhung wegen EUDR-Compliance. Die Produktionskosten von Steinpapier werden nicht durch Wald-Due-Diligence beeinflusst, weil kein Wald drin ist.
Aber dieselbe oder bessere Umweltleistung. Steinpapier produziert 67 Prozent weniger CO2 als klassisches Papier in der Produktion und verbraucht fast kein Wasser. Plus dass ein Stonepacker bis zu 25 Mal wiederverwendet wird, was die Auswirkung pro Sendung noch weiter drückt.
Der Elefant im Raum
Niemand behauptet, dass jeder Karton schlecht ist. FSC-zertifizierter Karton aus europäischen nachhaltig bewirtschafteten Wäldern ist ein gutes Material und EUDR ist genau darauf ausgerichtet, solche Bewirtschaftung zu belohnen. Aber für Webshops, die hunderte Sendungen pro Tag machen, ist die administrative Kette rund um EUDR-Compliance eine reale Kost — auch wenn sie vor allem beim Lieferanten liegt, denn du zahlst sie über den Einkaufspreis zurück. Plus dass selbst FSC nicht alle Wald-Probleme löst.
Die Wahl ist nicht Karton-oder-nicht. Die Wahl ist: wie viel meines Verpackungsmixes will ich außerhalb der EUDR-Scope halten, und wie viel administrative Overhead akzeptiere ich für den Rest.
Was wir empfehlen
Beginn mit deiner Primär-Versandverpackung. Box oder Umschlag, das ist das größte Volumen in deinem Mix und darin sitzt die größte Compliance-Last in der Kette. Mach die baumfrei. Halte FSC-Karton für Sekundärverpackung, Etiketten und internen Gebrauch, dort spielt es weniger.
Fordere ein Stonepacker-Muster an. Dann hast du Zeit, deinen Flow durchzutesten, bevor die EUDR-Deadline wirklich zuschlägt. Wir schicken Muster gratis binnen drei Werktagen und es ist unser Co-Founder Roel, der persönlich antwortet.
EUDR ist kein Problem, das mit einer Tabelle weggeht. Es ist eine neue Grundlage. Die Frage ist, ob du daraus nächstes Jahr einen Engpass oder ein Verkaufsargument machst.
